Was uns Probleme macht

Sex und Leistungsdruck

ÜBER DIE ERWARTUNGSHALTUNG UND UNSERE ROLLE IM BETT
Einer der häufigsten Gründe die Probleme mit der Erektion auslösen können, ist der Leistungsdruck im Bett. Der Fokus verschiebt sich vom Lusterleben auf das erbringen einer Leistung die entweder von aussen an uns herangetragen wird, oder aber von uns selbst auferlegt wird. Lust und Leistung vertragen sich aber nur sehr selten. Somit sind Probleme im Schlafzimmer bereits vorprogrammiert.
Mann mit Leistungsdruck Problemen

Wenn Sex zur Leistung wird

Der sexuelle Leistungsdruck ist stark mit den Themen des sexuellen Selbstbewusstseins und unserer Identifizierung mit einem der typischen Männerbilder die uns vorgegeben werden verbunden. Ebenso spielt fehlende Aufklärung eine grosse Rolle. Keiner erklärt uns das es keine klaren Rollen in Fragen der Sexualität gibt. Niemand redet über sexuelle Kommunikation oder den verschiedenen Formen der Selbstregulierung. Ebenso ist die sexuelle Selbstverantwortung kein Thema das offen in Schulen diskutiert wird. Dieser Mangel an Information führt zu vielen Missverständnissen und meist überhöhten Vorstellungen davon was man im Schlafzimmer zu leisten hat. 

Neben der fehlenden Information kommt noch fehlerhafte oder übertriebene Information aus Kneipen Gelaber und der Pornoindustrie. Wir sehen muskelbepackte Testosteronbolzen, die mit überdimensionierten Penissen die Frauen- und Männerwelt zu schweisstreibenden Orgasmen treiben. Es wird gerammelt was das Zeug hält. Es tropft der Schweiss und kommt der Orgasmus, so ist auch dieser reichlich übertrieben in der Lautstärke und der Menge an Sperma das vergossen wird. Mit anderen Worten leben wir in einer Welt der sexuellen Superlativen. Kein Wunder sind viele Männer verunsichert ob sie diesen Anforderungen genügen können.

Das Problem verstärkt sich gerade in der Paarsexualität, da unsere Partner in den meisten Fällen, in der selben Situation von sexueller Ahnungslosigkeit oder Halbwahrheit dümpeln. Für Frauen ist das Rollenbild genauso wenig schmeichelhaft und problembehaftet wie das Bild welchem wir Männer entsprechen sollen. Neben der negativen Prägung welche viele Rollenbilder auf uns haben, limitieren sie uns auch in unserem Lusterleben und in unserer sexuellen Bandbreite. Im unteren Bereich sehen wir uns einige solcher Rollenbilder an. Sie sind jedoch nicht unbedingt als “schlechte” Beispiele zu interpretieren, sondern repräsentieren gängige Rollenmuster mit denen sich die meisten Männer identifizieren. Natürlich gibt es auch Mischformen. Beim Durchlesen der verschiedenen Rollen wird sich bestimmt der eine oder andere unter den Lesern wiederkennen. 

Als Menschen orientieren wir uns beim Lernen ganz automatisch an Vorbildern. Wir ahmen nach was wir sehen und wir werden durch Anerkennung oder eine Gegenleistung für unsere Leistungen belohnt. Dies ist ein weiterer Punkt der unsere Sexualität stark beeinflusst. Ich gebe dir, also erwarte ich etwas in der selben Qualität zurück. Somit wird der gemeinsame Sex zu einer Transaktionsvereinbarung.

 


Wir sind nicht für den Orgasmus unseres Partners verantwortlich. Wir können ihn begleiten, aber jeder bleibt in der sexuellen Eigenverantwortung.

 

Wir wollen also alle die perfekten Liebhaber sein, damit unsere Partner einen weiteren Grund haben uns anzuhimmeln und uns auf Lebzeiten zu begehren. Somit ist Sex auch eine Quelle der Selbstbestätigung und im besten Fall ein Garant um nicht verlassen zu werden. Genau hier Schaufeln wir uns häufig das eigene sexuelle Grab. Wir verknüpfen unsere Leistung im Bett als Bedingung für den Erfolg unserer Beziehungen, oder im weitesten Sinn unserer Männlichkeit als Ganzes.

Der springende Punkt ist, dass wir uns nie darüber sicher sein können was unsere Partner in ihrem sexuellen Erleben gerade von uns benötigen. Es ist auch nicht unsere Aufgabe für den Orgasmus unserer Partner zu sorgen. Wir können sie dabei unterstützen eine erfüllte Paarsexualität mit uns zu erleben, aber die Verantwortung für unsere Lust trägt jeder selbst. Diese Erkenntnis nimmt vielen Männern bereits viel Druck von den Schultern. Die sogenannte sexuelle Selbstverantwortung ist jedoch auch nicht mit Egoismus im Schlafzimmer zu verwechseln. Es ist ein Spiel zwischen geben und nehmen. Die eigene Lust im Auge behalten und Freude dabei zu empfinden auch unsere Partner in deren Lust zu begleiten. Um dies zu erreichen benötigt es sowohl verbale als non verbale Kommunikation. Offen darüber reden, was man sich im Bett wünscht, was man geil findet und was einen allenfalls eher abturnt. Während dem Sex auch mal Zeichen geben was man möchte. Vielleicht mal die Hand des Partners an Stellen führen die Berührung brauchen. Es gibt unzählige Möglichkeiten um dem Partner zu zeigen was man braucht. Telepathie gehört nicht dazu. Den Partner im Dunkeln tappen zu lassen und danach frustriert zu sein, dass er oder sie einen sexuell nicht abholen ist ein Eigentor erster Güte. 

Ein weiterer Punkt den wir uns in einem anderen Beitrag ansehen werden, ist die Jagt nach dem Orgasmus. Sowohl dem eigenen als auch dem Orgasmus des Partners. Sobald Sexualität mit Zielen verknüpft wird, so verliert sie an Leidenschaft und Leichtigkeit. Gerade diese Elemente lieben wir alle jedoch so sehr an Sex. Ziellosigkeit im sexuellen Erleben ist ein guter Weg um wieder mehr Lust ins Schlafzimmer zu bekommen. Auch darüber reden wir in einem weiteren Beitrag. Bleibt also am Ball.

Der Butler

DER BUTTLER

Als Buttler kümmert man sich charmant um jeden Wunsch des Partners und stellt seine eigene Lust dabei gerne in den Hintergrund. Lust zu bereiten kann aber auch durchaus lustvoll erlebt werden. Die Frage ist jedoch immer in wiefern diese Lust auch körperlich erlebt werden kann. Ein Buttler der sich seine Lust auch holen kann während oder nachdem er den Partner verwöhnt hat, ist auf einem guten Weg der sexuellen Selbstverantwortung.

Vikinger

DER EROBERER

Der berühmte Macho der sich seine Lust holt und häufig davon ausgeht, dass er auf diese Art die Bedürfnisse des Partners automatisch auch erfüllt. Männer mit einer stark ausgeprägten sexuellen Selbstsicherheit können durchaus erfolgreich sein, wenn dessen Partner diese Charakterzüge als anziehend empfinden. Häufig werden Eroberer als sexuelles Abenteuer begehrt. In einer Beziehung wird es jedoch schwieriger, da die betroffenen Partner auf Dauer zu kurz kommen. Es ist für viele Eroberer daher von Vorteil vielleicht auch mal in eine andere Rolle zu schlüpfen.

Der Zauberer

DER ZAUBERER

Der trickreiche unter den Liebhabern. Er hat eine ganze Kiste voller Zaubertricks die er mit und an seinen Partners ausprobiert. Sextoys und ausgefallene Techniken sind seine Vorlieben. Der Reiz liegt hier meistens nicht nur am Akt sondern an dem erzeugen einer Atmosphäre einer Situation die unvergesslich bleiben soll. Ähnlich wie beim Eroberer ist es für die Zauberer unter uns auch mal in eine der anderen Rollen schlüpfen zu können. Für Partner von Zauberern können die ausgefallenen Sexabenteuer auch mal unangenehm oder anstrengend sein. So kann eine einfache aber genussvolle Nummer auch mal ganz prickelnd sein.

Der Erforscher

DER ENTDECKER

Der Körperreisende und Entdecker der Lust. Jeder Zentimeter wird erkundet und genossen. Dabei wird akribisch aufgezeichnet wo sich erogene Zonen befinden und wie der Partner auf die diversen Stimuli reagiert. Entdecker sind sehr aufmerksame Liebhaber, sie neigen allerdings dazu sich gerne zu wiederholen und an ihren Entdeckungen festzuhalten. Häufig vergessen auch sie wie die Buttler ihre eigene Lust. Ein Wechsel in die anderen Rollen kann helfen.

Fazit

Leistungsdruck ist das Resultat an Unwissen und fehlender Kommunikation mit unseren Partnern. Es ist daher wichtig sich von vorhandenen Vorurteilen und Rollenbildern zu trennen, oder zumindest neue Ansichten und Eindrücke zu erhalten. Die sogenannte sexuelle Eigenverantwortung steht im Mittelpunkt. Wir sind nicht für den Orgasmus unseres Partners verantwortlich sondern können nur unterstützen. Die eigene Lust ist genauso wertvoll wie diejenige des Partners.

Selbst-Evaluation

  1. Was denke ich ist meine Rolle als Mann und Liebhaber?
  2. Bin ich in der Lage meine sexuellen Wünsche einzufordern?
  3. Kenne ich die sexuellen Wünsche meiner Partnerin/ meines Partners?
  4. Wie wichtig ist der Orgasmus für mich?
  5. Wie wichtig ist es mir meinen Partner / meine Partnerin zum Orgasmus zu bringen?
  6. Fühle ich mich meiner Partnerin / meinem Partner sexuell Verpflichtet?
  7. Habe ich das Gefühl ein guter oder schlechter Liebhaber zu sein?

Übungen

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